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Anekdote zur Kult-Disse: Roxy

Wir schreiben das Jahr 2004 - das Gäubodenvolksfest in Straubing: Eine Geschäftsführerin einer Disco lädt ihr Personal ins Bierzelt ein. Die Mitarbeiter sind teilweise schon 20 Jahre für das Lokal tätig und privat auch gut befreundet. Während sie feiern und Gaudi haben bemerkt die Chefin am Nebentisch einen einsamen älteren Herrn. Schon eine ganze Zeit beobachtet er die Gruppe – mit Tränen in den Augen. 

Er wird an den Tisch gebeten und gefragt, was er denn so traurig schaut. „Na ja, eigentlich gehöre ich ja auch zu Euch“, sagt der Fremde. Er deutet auf das Symbol der T-Shirts, das die Belegschaft trägt: „Das da, hab ich damals entworfen.“ Verwundert folgen sie seinem Blick. Es ist ein zweifarbiges Logo. Umrissartig das Gesicht von Jimi Hendrix, darunter vier weiße Buchstaben: „Roxy“.


Der unbekannte ältere Mann erzählt der heutigen Geschäftsführerin Claudia Schwarz von der Zusammenarbeit mit Dieter Haase und Wolfgang Radecker, die im März 1976 die heutige  Kult-Discothek in Straubing unter dem Namen „Roxy Dancing“ eröffnet hatten. Der letzte Teil des Namens fiel mittlerweile im Sprachgebrauch weg. So zufällig die Begegnung mit dem alten Mann auf dem Volksfest war, so war auch die Begegnung der beiden Roxy-Väter. Beiden wuchsen in Schwandorf auf. Beide gingen nach Stuttgart und kehrten nach Jahren wieder in ihre Heimat zurück. Erst da lernten sie sich als Nachbarn kennen. Da Dieter Haase und Wolfgang Radecker auch den gemeinsamen Wunsch hegten eine Discothek zu eröffnen, wurden die beiden Partner. Irgendwann trennten sich ihre Wege und Haase machte alleine weiter, bis er Günter Dombrowski mit ins Boot geholt hat, der das „Roxy“ 1982 übernahm. Fast ein Jahrzehnt lang erlebte es unter seiner Führung Höhen und Tiefen. Schon damals hatte es den Ruf der verruchten Kneipe: Motorrad-Clubs, Drogen, Gewalt. Diese Begriffe scheinen noch heute fest mit dem Begriff „Roxy“ verbunden. 

„Kurz nach der Eröffnung gab es einen Todesfall. Auf den Toiletten hat sich ein Gast den `Goldenen Schuss’ gesetzt. Damals wurde der Laden für einige Tage zugesperrt“, weiß Claudia Schwarz. „Und da durchaus auch Rocker zu unseren Gästen gehören und es wie überall mal zu Schlägereien kam, hatte die Disco schnell diesen schlechten Ruf. Bis heute. Wir haben weniger Ärger mit Gästen als viele andere Lokale, nur bei uns wird es gleich durch die Medien gejagt.“ Aber gerade das, macht ja den Flair des „Roxys“ auch aus. Vor elf Jahren gab es dann einen neuen Chef. Martin Pilz, der inzwischen aus der Straubinger Öffentlichkeit verschwunden ist und in Brasilien lebt. Seit 2002 ist seine Schwester Claudia die Chefin im Haus. Auch sie kennt die Mord-und-Totschlag-Geschichten, die die Discothek zwischen Steinergasse und Aprilgasse umwittern: „Diese Märchen gehören wohl dazu. Ebenso wie das Gerücht, das die Disco zugesperrt wird. Seit 31 Jahren höre ich diese Geschichte. Jeden Monat aufs neue. Wann und warum das ‚Roxy’ jedoch zu macht, das soll schon unsere Sache sein.“ So bald wird das wohl kaum passieren. 

Der neue Gebäudebesitzer Gabriel Winter, der das Haus von der Schneider Brauerei erworben hat, möchte sich persönlich für den Erhalt jener Disco einsetzen, in der jeder, vom Banker bis zum Biker, gleich behandelt wird. Letztes Jahr feierte man 30-jähriges. Ur-Vater Wolfgang Radecker war selbstverständlich ebenfalls eingeladen. Die Stammgäste nutzten diesen Augenblick und dankten ihm sprichwörtlich auf Knien dafür, dass er damals die Discothek eröffnet hatte. Doch nicht nur in dem Laden geht es oft heiß her, auch drum rum. Claudia erinnert sich an einen ganz besonderen Nachbarn: „Ich hatte mal mit einem Anwohner, einem Rentner, telefoniert, der sich über die laute Musik beschwert hat. Es war ein Mittwoch und er konnte nicht schlafen. Da schlug ich ihm vor, wenn er ohnehin nicht schlafen könne, soll er doch vorbei kommen und mitfeiern. Eine Woche später stand ein älterer Mann in Filzpantoffeln vor mir. Ich wusste sofort, dass er es war. Seitdem ist er ein Stammgast.“ Die einfachsten Lösungen sind halt oft auch die Besten. Und was den anderen älteren Mann auf dem Gäubodenvolksfest angeht, so würde ihm Claudia Schwarz noch gern etwas sagen: „Der Mann gehört genauso zu uns, wie unser Peronal. Ich würde mir wünschen er käme ab und zu mal vorbei.“

(Der Artikel erschien 2007 in der Sonderausgabe "30 Jahre Wochenblatt Straubing". 
Vier Jahre später schloss die Diskothek für immer seine Pforten.
Die Disco "Stars" veranstaltet seit 5.1.2015 die "Rock like Roxy"-
Party in Straubing. Der Club ist stets voll mit alten und jungen Rockern.)

Podcast-Folge 1.17

Ja, es ist passiert. Ich habe mich ans Mikro gesetzt und fast 50 Minuten Podcast aufgezeichnet. Und damit ihr nicht lange suchen müsst, wovon ich gesprochen habe, hier die Links zu den besprochenen Themen.

Natürlich gab es noch mehr Themen. Aber dazu brauchte man halt eben keine Links.


Oliver Kalkofe: Chemtrailes



Der Trailer zu: The Last Of Us, Part II


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