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Californication (alle sieben Staffeln)


Gott sei Hank ...

Uhuuu ... Weltpremiere. Eine erste komplette Serie in der Besprechung. Und ihr könnt es schon ahnen: eine, die ich mir freiwillig angesehen habe. So freiwillig, dass ich alle Staffeln (teils auf englisch, weil früherer Release) in meinem DVD-Regal habe. Für manche vielleicht unverständlich - doch andere warten schon darauf, sich die einzelnen Boxen zu borgen.
Lange vor Mega-Spielfilmen im Serienformat (also, lange vor "Breaking Bad" und "Game of Thrones") war es Sitte, Geschichten in kurzen, unterhaltsamen Häppchen zu servieren (bevor nun alle völlig ausflippen: ich habe Heisenberg und die Starks - soweit veröffentlicht - auch begeistert angesehen). So begab es sich im Jahre des Herrn 2007, dass "Californication" erstmalig ausgestrahlt wurde. Das Wort "Californication" wird ja gerne - soweit "gerne" hier das passende Wort ist - als "Kalifornisierung" übersetzt. Zumindest bei solchen Fachzeitschriften wie "Tina" oder "Brigitte".
Fakt ist, es handelt sich um eine Wortkombination. Zum einen ist ein US-Staat gemeint (ihr dürft jetzt versuchen, selbst zu erraten, welcher) zum anderen ist der nette kleine Begriff "fornication" also "Unzucht" mit eingebaut. Und damit ist die Basisgeschichte schon erklärt. Unzucht in Kalifornien. 



Worum geht's? Es geht um Henry "Hank" Moody (David Duchovny), seines Zeichens Bestsellerautor des Buches "God hates us all". Ebenso wie seine anderen Bücher "South of Heaven" und "Seasons in the Abyss" trägt auch sein berühmtester Roman den Titel eines Slayer-Albums. Das aber nur als Funfakt am Rande. Auf jeden Fall ist das Werk so erfolgreich, dass Hank zum einen ein gutes Plus auf seinem Konto hat, zum anderen es sogar als Kinofilm weitere Tantiemen bringen könnte - zumal ein nicht näher genanntes Hollywoodpaar namens Tom und Katie die Hauptrolle spielen.

Hank zieht also des Erfolges wegen von NY nach LA. Zusammen mit seiner Tochter Bekka und deren Mutter Karen. Hank und Karen haben nie geheiratet, was wohl ganz gut ist, denn obwohl er seine Karen und auch seine sarkastisch veranlagte Metal-Tochter über alles liebt, schlittert er von einem One-Night-Stand und einer berauschenden Substanz zur nächsten. Sex, Drugs & Rock'n'Roll. Und dem smarten, wortgewandten Hank fällt es auch nicht schwer, bei jeder Gelegenheit an Frischfleisch zu kommen. Und Karen bekommt das immer mal wieder mit. Obwohl sie so sehr mit ihm endlich ein anständiges Familienleben haben würde, weiß sie um die Natur ihres Liebsten. Ihre Gefühle zueinander sind echt - doch beide wissen, dass sie ein sehr einsturzgefährdetes Gebilde versuchen zu bewohnen. Karen nimmt ihm seine Eskapaden nicht mal übel - wohl aus Gewohnheit.




Im Laufe der finalen 7. Staffel fällt sinnbildlich folgender Dialog:

TV-Produzent über eine gemeinsame Bekannte: "Zuerst war ich bei ihr, danach war Hank in ihr."
Karen: "Wie bitte!? Moment, warte. Okay, warum wundert mich das eigentlich? Natürlich war er in ihr, wir reden hier von Hank."

Wer viele blanke Brüste, völlig kaputte (und ich meine wirklich kaputte) Charaktere, verzwickte Vielecksbeziehungen und wilde Rauschzustände sehen möchte - gewürzt mit teils genialen Dialogen - der sollte sich "Californication" nicht entgehen lassen.

Jedoch gibt es ein großes Minus. Während die ersten fünf Staffeln einfach nur brillant waren, lassen die letzten beiden doch arg nach. Das ist sogar noch einfach zu begründen, denn die Geschichte um Hank und seine Bettgeschichten war ursprünglich tatsächlich auf nur fünf Staffeln ausgelegt. Aufgrund des großen Erfolges in den USA ließ man sich breitschlagen, noch zwei weitere Staffeln dranzuhängen. Und das, obwohl mit der letzten Folge der Season 5 bereits ein versöhnlicher und nicht zu sehr von Hollywood weichgespülter Abschluss gefunden wurde. Nun musste es weitergehen. Und das schnell, um keine zu lange Pause zwischen den Episoden entstehen zu lassen. Und das merkt man eben. Aber auch die schlechteren Finalstaffeln schaffen es nicht, mehr als nur eine Popcorn-Tüte aus der Gesamtwertung zu kicken. Daher bleibt immer noch ein anständiges 8/10.




Es ist natürlich für die Serie nur förderlich, dass Hauptdarsteller und Produzent David Duchovny in der Vergangenheit tatsächlich selber mit sexuellen Eskapaden Schlagzeilen schuf. Er machte aus der Not eine Tugend und aus seiner Sexsucht eine Serie. Hat geklappt. Die Serie - von allem die ersten 5 Staffeln - sind genial, haben einen hervorragenden Humor und zeigen eine Glamourwelt, ganz ohne Glamour. Sondern mit vielen Drogen und noch mehr Sex. Und den damit verbundenen Problemen.

Das Buch "God hates us all" ist übrigens tatsächlich im Handel erhältlich, aber nur etwas für richtige Fans. Kein großes Kunstwerk und ich glaube, das bisschen, was man dem Buch abgewinnen kann, hat der Charakter Hank Moody zu verantworten, den man sich als Protagonisten des Romans vorstellt. Lasst lieber die Finger davon und konzentriert euch auf die Serie.

Habt ihr die Serie gesehen? Wie ist eure Meinung? Eure Lieblingsszene würde mich auch interessieren. Also, nur raus damit. 





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